Ausflug an die Warta

Ich weiß nicht genau, wie viele Ausflüge ich bisher an die Warta gemacht haben, aber es sind sicher mehr als zehn. Dieser polnische Fluss, der 80km östlich von Berlin in die Oder mündet ist einzigartig. Der Bereich kurz vor der Mündung in die Oder ist seit 2001 Nationalpark (polnisch: Park Narodowy Ujście Warty) und umfasst eine Fläche von 8.038 Hektar. Im Park dominiert Wiesen- und Weideland, das von zahlreichen alten Flussläufen und Kanälen durchschnitten wird. Die Warta teilt den Nationalpark in zwei Hälften. Die südliche ist ein Überschwemmungsgebiet, dessen Wasserstand im Jahresverlauf um bis zu vier Meter schwankt. Der nördlich der Warta gelegene Teil ist durch einen Deich vor Hochwasser geschützt. Ziemlich spontan hatten Stephan, Lennert und ich uns entschlossen die Flussniederung für einen Tag zu besuchen. Im Winter war ich noch nie hier, denn für Vogelbeobachtungen ist vor allem der Frühling die geeignete Jahreszeit. Dann gibt es hier tausende Vögel, die ihre Brutgeschäfte vorbereiten, oder auf dem Durchzug sind. In den letzten Jahren gab es aber sehr wenig Wasser und viele der sonst überfluteten Flächen lagen trocken. Mein Gefühl sagte mir, dass es in diesem Jahr anders ausschaut und ich wurde nicht enttäuscht. Das gesamte Gebiet war überflutet, Wasser bis zum Horizont einfach fantastisch. Wir konnten uns kaum satt sehen, diese Weite ist einzigartig. Wunderbare Landschaftsmotive wo man hinsah, und dazwischen immer wieder Seeadler, Kraniche, Gänse, Singschwäne und andere Wasservögel. Auf dem Hauptdamm zogen ständig Gruppen von Meisen, auch einen Sperber konnten wir hier beobachten. Auf den Koppeln und Weiden saßen viele Bussarde und am Abend konnten wir auf kurze Distanz zwei Biber beobachten. Es war ein wunderschöner Tag und leider war viel zu wenig Zeit um alles richtig zu genießen. Wir werden im Frühling wieder hier sein, das haben wir uns fest vorgenommen. Jetzt wünsche ich euch viel Spass mit den Bildern, alles wurde natürlich mit der EM1 MarkII aufgenommen.

 

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Wiedermal der Wolf

Guten Tag aus der Lausitz, in den Medien wird gerade wieder viel Wirbel um das Thema Wolf gemacht. In Niedersachsen, kurz vor den Landtagswahlen, sogar die Entnahme eines ganzen Rudels diskutiert. Nun werde ich mich hüten, hier zu behaupten, dass es da einen Zusammenhang gibt, aber wer weiß… 

Auch hier in meiner unmittelbaren Nähe wird wieder heiß diskutiert. Der regionale Wochenkurier Hoyerswerda/Kamenz hat vor zwei Tagen ein Video veröffentlicht, welches im Netz nun seine Verbreitung findet. Allein der Text zum Videobeitrag ist schon mal voll daneben. „Sie kommen näher und näher… Es scheint, als hätten die Lausitzer Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen komplett verloren.“ 

Bravo, so macht man Schlagzeilen! Die/der für diesen Text verantwortliche Redakteur/in scheint sich fachlich vorher keinen Rat eingeholt zu haben. Warum auch, Hauptsache der Beitrag ist spektakulär und macht viel Wirbel.  Man spielt mit den Ängsten und Sorgen der Leute, denn nur so ist ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Es besteht scheinbar keinerlei Interesse die Menschen aufzuklären, solange sich eine Nachricht gut verkauft. Und sie verkauft sich gut, inzwischen wurde der Beitrag 2587 mal geteilt und ich bin sicher, das ist nicht das Ende. Alle stürzen sich weiterhin gierig auf das Thema und in den sozialen Medien schlagen sich Wolfsgegner und Wolfsbefürworter die Köpfe ein. Ich habe den Eindruck, dass viele Medien sich ihrer Verantwortung überhaupt nicht bewusst sind. Dabei wäre es so wichtig aufzuklären und Ängste abzubauen, statt immer neue Ängste zu schüren. Dabei geht der Vorwurf hier nicht allein an die Medien. Sie bedienen schließlich nur ihre Konsumenten und die wiederum sind süchtig nach Schlagzeilen dieser Art. 

Es wird nicht einfach sein, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Aber es ist höchste Zeit. 

Wir sollten endlich wieder lernen, vernünftig miteinander umzugehen. Wir müssen aber auch gegen unsere Ängste ankämpfen, gegen Feindbilder die uns vorgegeben werden. 

Wir müssen aufhören uns losgelöst von der Natur zu sehen und endlich begreifen, dass wir ein Teil von ihr sind. Begreifen, dass wir sonst nur einen Kampf gegen uns selbst führen, den wir nicht gewinnen können. Wir müssen unsere Sinne wieder auf Empfang stellen und manche Dinge wieder lernen. Unsere Kinder können es sehr gut, wir sollten uns das von ihnen zeigen lassen, statt es zu unterdrücken. 

Die Natur ist etwas Wunderbares. Das erfahre ich jeden Tag und bin dankbar dafür. 

Darum sehe ich auch meine Bestimmung darin, anderen von meinen Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten, mit Menschen draußen unterwegs zu sein und sie so wieder ein Stück näher an die Natur heranzuführen. Dazu gehört unter anderem auch das Thema Wolf, zu dem ich hier in der Lausitz auch Führungen anbiete. Bei Interesse könnt ihr gern Kontakt zu mir aufnehmen. 

 

Kleiner Nachtrag für Trolle und ewige „Haarindersuppesucher“: 

Ja, das war jetzt auch Werbung, für meine Angebote. Warum nicht?

„Sie verdienen ihr Geld auch nur durch den Wolf“ wurde mir mehrfach vorgeworfen. 

 

Nö, ich verdiene mein Geld mit dem, mir seit meiner Kindheit, angeeigneten Wissen zum Thema einheimische Natur. Der Wolf gehört natürlich dazu, wie Gänseblümchen, Mistkäfer, Ringelnatter, Linde, Rotfeder, Fliegenpilz, Seerose, Regenwurm, Zaunkönig …

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Auf der Suche nach dem Moorochsen

In diesem Jahr hat es der Winter zumindest hier in der Lausitz geschafft, eine geschlossene Schneedecke über das Land zu zaubern. Auch die Temperaturen sanken seit Anfang Januar deutlich in den Minusbereich. Die Teiche sind versiegelt mit einer dicken Eisschicht und die Wasservögel weichen aus auf größere Seen und Fließgewässer. Auf den ersten Blick scheint nicht viel lost zu sein in der Teich-Lausitz, aber ich habe mich trotzdem an einen Teich begeben um nach einem für mich sehr besonderen Vogel Ausschau zu halten. Vor zwei Tagen habe ich einen Tip von einer Fotografin bekommen, die den Vogel hier fotografieren konnte. Im Einlaufbereich war eine kleine Fläche eisfrei geblieben und nicht nur der Eisvogel war hier auf Beute aus. Leider konnte ich trotz intensiver Suche und mehrstündigem Warten keinen Erfolg verbuchen. Seit Jahren hoffe ich darauf, den geheimnisvollen Vogel, der im Volksmund auch gern Moorochse genannt wird, im Winter  einmal zu sehen. Bisher hatte ich erst zweimal das Glück, einer Rohrdommel für einen kurzen Moment in ihrem Lebensraum zu begegnen.  

Die Rohrdommel ist für mich ein ganz besonderer Vogel. Schon in meiner Kindheit, als ich mit meinem Fahrrad ausgedehnte Ausflüge in die Teichgruppen in der Nähe meines Heimatdorfes unternahm, lauschte ich fasziniert den geheimnisvollen Rufen, die aus dem Schilfdickicht über das Wasser hallten. Wie mag sie wohl aussehen, habe ich damals oft gedacht und in meiner Phantasie malte ich mir einen großen  massigen Vogel aus. Als ich zwölf war, habe ich sie das erste Mal auf einem Bild gesehen. Die großformatigen S/W- Fotografien zierten die Wand einer Dorfkneipe mitten in der Teich-Lausitz. Der Naturfotograf Rudolf Zimmermann hatte die Bilder in den 1930er Jahren mit einer Plattenkamera hier in der Lausitz gemacht. Mit offenem Mund und einem Glas roter Limonade in der Hand stand ich vor den Fotos und träumte mich hinaus in die Teichlandschaft. Ich wollte der Fotograf sein, der wie Rudolf Zimmermann dem Ruf der Rohrdommel folgt und den geheimnisvollen Vogel im dichten Schilfwald aufspürt. Damals ahnte ich nicht, dass es vierzig Jahre dauern sollte, bis ich dem reiherartigen Vogel das erste Mal begegnete. Bei meiner zweiten Beobachtung, gelang es mir sogar einige Fotos zu machen und die Rohrdommel beim Rufen zu beobachten. Von befreundeten Ornithologen und Naturfotografen hörte ich immer wieder, das man mit etwas Glück im Winter Rohrdommeln, die sich ansonsten kaum zeigen und im Schilf sehr gut getarnt sind, an offenen Wasserstellen beobachten kann. Leider ist es mir bisher nie gelungen.

Wieder bin ich unterwegs und tatsächlich habe ich nach dem Fehlversuch am nächsten Tag wieder einen Tip bekommen, eine Rohrdommel wurde in einer Teichgruppe an einem Wasserloch gesehen. Meine Erwartungen waren nicht all zu hoch nach dem Fehlversuch Tags zuvor. Ich konnte direkt bis an die beschriebene Stelle mit dem Auto fahren und diesmal hatte ich Glück. Nur wenige Meter vor mir stand sie völlig frei und ließ sich durch die Anwesenheit des Autos nicht stören. Vorsichtig öffnete ich das Fenster und machte die ersten Bilder. Ich wechselte sogar den Standort und die Rommel beobachtete mich zwar, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Plötzlich näherte sich ein weiteres Fahrzeug, der Teichpächter kam um die Horden (Einlaufgitter) zu reinigen. Das war dann doch etwas zu viel Störung, die Rohrdommel flog zu meinem Bedauern auf und ich konnte nicht sehen wo sie landete. Am nächsten Tag beschloss ich einen weiteren Versuch zu wagen, ich kontrollierte die Stelle vom Vortag, leider erfolglos. Also beschloss ich an einem offenen Graben etwa 300m von der Stelle zu suchen und da stand sie. Diesmal stieg ich aus dem Auto aus und versuchte auf dem Bauch an sie heranzurobben. Der Boden war nass, es hatte zu tauen begonnen und so kroch ich auf dem Bauch durch den Schneematsch und Schlamm bis auf wenige Meter an die Rohrdommel heran. Nach einer halben Stunde war ich klatschnass und schlammig, aber ich war glücklich, hatte ich doch nun die erhofften Bilder. Die Rohrdommel fischte  immer noch im Graben, sie hat sich durch meine Anwesenheit nicht stören lassen.

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Guten Tag aus der Lausitz

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